Sozialengagement und alt-katholisch kirchliches Engagement von Prof. Dr. Torsten Kirstges
Sozialengagement und alt-katholisch kirchliches Engagement von Prof. Dr. Torsten Kirstges

Das war (ursprünglich) das Projekt

"PaTE"

Projekt zur aktiven Tätigkeit

im Sinne des Evangeliums

Anlass und Ziel des Projekts, Zielgruppe:

 

Anlässlich eines Diskussionsabends im Frühjahr 2001 in St. Ansgar zum Thema „Schwangerschaftsberatung“ ergaben sich im Gespräch u.a. mit der Caritas Überlegungen, wie unsere Kirchengemeinde (werdende) Mütter in Notsituationen unterstützen könnte. Gerade junge (minderjährige) werdende Mütter brechen oft die Schwangerschaft ab, weil sie die konkreten Probleme eines Lebens mit Kind fürchten. Pro Jahr brechen in Deutschland 7.000 bis 8.000 Minderjährige ihre Schwangerschaft ab. St. Ansgar hatte darauf hin gemeinsam mit der Caritas in Wilhelmshaven dieses Projekt initiiert, insbesondere um werdende Müttern durch eine in Aussicht gestellte tatkräftige Unterstützung im Alltag zur Austragung ihres Kindes – statt Abtreibung – zu überzeugen. Christentum und Gemeindearbeit, so meinten wir, darf sich nicht in schönen Chormessen, in Bastelkreisen und Gemeindefesten erschöpfen, sondern muss gelebte Nächstenliebe in konkreter Hilfe bedeuten.

 

Wir hatten daraufhin auf mehreren Pfarrgemeinderats(PGR)-Sitzungen das Thema diskutiert und wollten mit St. Ansgar gerne einen Beitrag dazu leisten, dass werdende Mütter, aber auch Alleinerziehende oder Familien in sozialer Not, mit konkreter Unterstützung rechnen können.

 

Dieses Vorhaben wurde unter der Bezeichnung „PaTE - Projekt zur aktiven Tätigkeit im Sinne des Evangeliums“ Ende 2001 gestartet. Hierzu hatten wir zunächst einen Fragebogen ausgearbeitet, auf dem Hilfesuchende bei der Caritas ihre Bedürfnisse angeben konnten. Parallel dazu wurden in unserer Gemeinde Helfer gesucht, die in der ein oder anderen Weise ihre Fähigkeiten für diesen konkreten christlichen Dienst einbringen könnten und wollten. Mittels eines an die Gottesdienstbesucher verteilten Fragebogens konnten Ansatzpunkte für ein persönliches Engagement erkannt werden.

 

Wir sahen in diesem Projekt einen konkreten Schritt zu einem christlichen Engagement im Sinne des Evangeliums. Wir im PGR wünschten uns sehr, dass viele Christen aus unserer Gemeinde ein Stück weit „Pate“ werden für notleidende Familien, von denen es – gemäß der alltäglichen Erfahrung der Caritas – leider sehr viele hier bei uns in Wilhelmshaven gab und auch heute noch gibt ...

 

 

Wie viele Ehrenamtliche arbeiteten mit?
 

Das „Gründungsteam“ bestand aus vier Männern und zwei Frauen. Mindestens fünf weitere Helfer(innen) arbeiteten in den ersten Jahren projektspezifisch, d.h. je nach geforderter Hilfeleistung, mit. Für jede Anfrage eines Hilfebedürftigen wurden geeignete Helfer als „Paten“ angesprochen.

 

 

Konkreter Arbeitsbereich und Aktivitäten:
 

Menschen, die sich in Notsituationen an die Caritas oder die Gemeinde wenden, wurden in einem Gespräch nach ihren konkreten Bedarfsfeldern gefragt. Als Orientierung diente dabei ein ausführlicher Fragebogen.

 

Analog dazu wurde versucht, eine „Helferkartei“ aufzubauen. Hierzu sollte ein den Bedürfnisbereichen entsprechendes Raster dienen. Wir wollten dann versuchen, einen oder – je nach Aufgabe - mehrere „Paten“ zur Seite zu stellen.

 

 

Wo und wie oft engagierte sich die Gruppe?

 

Die „Paten“ engagierten sich je nach Bedarf, also fall- bzw. projektbezogen. Manchmal war auch eine dauerhafte, längerfristige Betreuung erforderlich. Hier exemplarisch einige Beispiele aus der konkreten Arbeit von Ende 2001 bis etwa 2005:

 

  • Die „Paten“ halfen einer schwangeren Alleinerziehenden beim Umzug. Möbel wurden gepackt, Transportfahrzeuge organisiert, das Umzugsgut abgebaut, verladen, transportiert und wieder aufgebaut.
  • Für eine Familie mit zwei Kindern, bei der der Vater krankheitsbedingt nicht belastbar war, wird der Umzug innerhalb Wilhelmshavens organisiert.
  • Die „Paten“ unterstützten Familien ohne Pkw regelmäßig bei Großeinkäufen.
  • Die „Paten“ halfen handwerklich, bei kleineren Reparaturen, Anbringen von Regalen, Fensterjalousien, bohren, schrauben, hämmern ...
  • Einer alleinerziehende Mutter, 27 Jahre, mit zwei Kleinkindern (1 Jahr und 7 Jahre), die vor ihrem sie schlagenden Lebenspartner im Januar 2002 aus Süddeutschland nach Wilhelmshaven geflohen war, wurde in vielfältiger Weise geholfen: Die „Paten“ organisierten einen Umzug und führten ihn durch, halfen bei der Wohnungseinrichtung, eine „Paten-Oma“ besuchte die Dame regelmäßig und betreute bei Bedarf die Kinder, „Paten“ halfen beim Einkauf oder bei Arztbesuchen. Die „Paten“ boten auch die Möglichkeit zum privaten Austausch, zum Gespräch über die alltäglichen Sorgen und Probleme. Zwei “Paten” wurde “echte” kirchliche Paten bei der späteren Taufe der Kinder.

 

Mit welchen Stellen gab es eine Kooperation?
 

Eine enge Kooperation sollte es mit dem „Caritasverband für das Dekanat Wilhelmshaven e.V.“ geben, über den die „Klienten“ auf das Projekt aufmerksam werden sollten. Auch in St. Ansgar und anderen Gemeinden wurde das Projekt „PATE“ bekannt gemacht, dies auch, um so weitere Helfer anzuwerben.

 

 

Wie wurde die Arbeit finanziert?

 

Die „Paten“ arbeiteten ehrenamtlich und unentgeltlich und setzten, z.B. für Umzüge oder handwerkliche Arbeiten, ihre eigenen Sachmittel ein. Informationsmaterialien etc. wurden über die Gemeinde St. Ansgar finanziert. Finanzielle Mittel, um das Projekt in größerem Umfang bekannt zu machen oder erforderliche Sachmittel zu beschaffen, standen leider nicht zur Verfügung.

 

 

Was war für die Zukunft geplant?

 

  • Ausweitung des Projekts auf andere Gemeinden Wilhelmshavens
  • Weitere Bekanntmachung des Projekts bei Bedürftigen, über die „Klienten“ der Caritas hinaus (Hilfeansatz in einem frühen Stadium, zur Verhinderung von Schwangerschaftsabbrüchen)
  • Aufbau einer abgleichbaren Helfer – Hilfesuchenden – Kartei

 

Doch leider kam es anders ...

Aktion

"Weihnachts-PaTE"

Im Rahmen unseres Programms

PaTE

(Projekt zur aktiven Tätigkeit im Sinne des Evangeliums)

haben die Caritas und St. Ansgar dann erstmals 2003 gemeinsam das Projekt „Weihnachts-PaTE“ initiiert. Diese Bezeichnung wurde von Prof. Dr. Torsten Kirstges entwickelt, lange bevor die Aktion zum reinen Geschenkeservice verkam und auch bevor “mildtätige Radiosender” auf die Tränendrüse drückten ... (leider hat Prof. Dr. Torsten Kirstges den Namen nicht schützen lassen, um seine missbräuchliche Verwendung steuern bzw. verhindern zu können ...).

 

Für sechs Familien aus Wilhelmshaven, darunter auch alleinerziehende Mütter mit kleinen Kindern, denen es nach Einschätzung der Caritas-Mitarbeiterinnen nicht nur finanziell so schlecht ging, dass sie für ihre Kinder keine „schöne Weihnacht“ mit Geschenken, Weihnachtsessen etc. organisieren könnten, wurden „Weihnachts-PaTEn“ gefunden. Diese „Paten“, sechs Familien aus unserer Gemeinde und ein auswärtiger Spender, haben „ihre“ Familien nicht mit Geldspenden unterstützt, sondern  sorgten dafür, dass Weihnachtslebensmittel und sinnvolle Geschenke gezielt für die Kinder gekauft wurden und übergaben diese sowie Lebensmittel für das Weihnachtsessen teilweise persönlich bei den Familien. So konnten wir gewährleisten, dass die Spenden unmittelbar und in der richtigen Form die bedürftigen (Kinder) erreichten.

 

Diese “Weihnachts-PaTE-Aktion sollte allerdings nur ein kleiner, zusätzlicher Aspekt unseres Engagements sein, um auf diesem Weg Kontakt zu den betroffenen Müttern/Familien aufnehmen zu können (sie war nicht als Selbstzweck gedacht).

Was ist aus der Aktion PaTE geworden?

Die Nachfrage nach unseren Hilfeleistungen (wir hatten vor allem auf die Kontakte und “Klienten” der Caritas gehofft) schlief ein und beschränkte sich am Ende v.a. auf Möbelumzugsdienste (was nicht Ziel und Zweck der Aktion war). Auch habe ich schon nach den ersten Jahren bemerkt, dass bei der Weihnachts-PaTE-Aktion immer wieder dieselben “Klienten” auftauchen - Menschen, die zwar rauchen und Geld für Zigaretten haben, es aber nicht zu schaffen scheinen, zwei Euro pro Monat für ein Weihnachtsgeschenk für ihre Kinder zu sparen. Hilfe zur Selbsthilfe wollten wir hier geben - aber das gelang (zumindest mit der Geschenkeaktion) nicht.

PaTE in seiner ursprünglichen Zielsetzung und Form gibt es heute nicht mehr. Stattdessen wurde über weitere Jahre alleine die “Weihnachts-Paten-Geschenkaktion fortgeführt - ohne jedoch in den Informationen dazu auf die ursprüngliche Bedeutung der Abkürzung (Projekt zur aktiven Tätigkeit im Sinne des Evangeliums) hinzuweisen.
Ich empfinde dies als sehr schade und bedauere die Reduzierung des Projekts auf einen “Weihnachtsgeschenkeservice”. Vielleicht war das Ziel zu hoch gesteckt ...  Vielleicht war die Zeit auch nicht reif für ein solches Projekt ... Jegliches hat seine Zeit ...

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© Prof. Dr. Torsten Kirstges