Was hat dre heilige St. Martin mit der Gans zu tun?
Was hat dre heilige St. Martin mit der Gans zu tun?

Martinsbräuche und -legenden:

Was hat St. Martin mit der Martinsgans zu tun...?

Martin wurde auf Drängen des Volkes Bischof von Tours, gegen seinen Willen. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. Der volkstümliche Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, rührt wohl von dieser Geschichte her, denn für diesen “Verrat” müssen die Gänse noch heute in der Bratröhre büßen ...

 

Eine andere Überlieferung berichtet: Als Martin als Bischof predigte, wurde er durch eine Schar schnatternder Gänse, welche in die Kirche watschelten, unterbrochen. Sie wurden gefangen genommen und zu einer Mahlzeit verarbeitet.

Hat sich St. Martin über die Gänse geärgert ...?

Warum der 11.11.?

 

Andere Legenden erzählen, wie Martin ein Kind vom Tod erweckte, einen heidnischen Baum gefällt habe, oder dass er das Blut des Märtyrers Mauritius und seiner Gefährten aufgefangen habe. Auf einer Missionsreise starb Martin, zu seiner Beisetzung am 11. November – daher der Gedenktag – strömte eine riesige Menschenmenge. Sein Schüler und Nachfolger als Bischof, Brictus, errichtete über seinem Grab eine Kapelle, die ein vielbesuchtes Ziel von Pilgern und fränkisches Nationalheiligtum wurde. König Chlodwig I. erklärte Martin zum Schutzherrn der fränkischen Könige und ihres Volkes. Die Reliquien wurden größtenteils im 16. Jahrhundert von Hugenotten zerstört, Reste sind in der um 1900 neugebauten Martinskirche von Tours. Sein Mantel galt als fränkische Reichsreliquie, wurde am Königspalast in Paris aufbewahrt und auf allen Feldzügen mitgeführt.

 

 

Laterne, Laterne ....

 

Mit der Ausdehnung des Fränkischen Reiches breitete sich der Martinskult nach Osten aus, zunächst besonders im Harz und in Thüringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die Flüchtlinge aus Schlesien den Brauch der Martinsumzüge in den Westen Deutschlands: An der Spitze des Zuges reitet "der Heilige", oft vom Bettler begleitet; dann folgen singende Kinder mit Lampions in den Händen. Der Lichterbrauch geht auf die Bedeutung Martin Luthers in Thüringen zurück: Am 10. November, dem Geburtstag Luthers und Vorabend des Festes seines Namenspatrons, versammelten sich auf dem Erfurter Domplatz abends Kinder mit Papierlaternen, um des Reformators zu gedenken. Der Martinsumzug ist nun in der katholischen Kirche ein Teil der Lichtsymbolik, welche am Allerseelentag am 2. November beginnt und über Advent und Weihnachten bis Lichtmess am 2. Februar führt.

Martinsumzug mit Torsten Kirstges als "Wilhelmshavener St. Martin"

Hauptzinstag

 

Der volkstümliche Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, basiert aber auch auf dem Martinstag als Hauptzinstag: Am Martinstag begann das neue Wirtschaftsjahr des Bauern, an das Gesinde wurden die Löhne bezahlt, Pachtverträge wurden geschlossen, Steuern abgeführt, Knechte und Mägde konnten, wie an Lichtmess, den Dienstherrn wechseln. Zu Martini wurde das Vieh geschlachtet, das aus Kostengründen nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden konnte: Dazu gehörten die Gänse; so ergab sich der Brauch, am Martinstag, vor dem großen Fasten im Advent, Gänsebraten zu essen. Die Gans war auch eine bevorzugte Zinsbeigabe an den Grundherrn, Tribute waren oft bezahlbar in Form von Gänsen. Später erzählte man die Legenden, in denen Martin mit Gänsen in Verbindung gebracht wurde.

Leckere Martinsgans

für ca. 4 Personen:

Benötigt werden:

 

1 Gans (ca. 3,5 kg)

Salz, Pfeffer, Majoran

für die Füllung:
500 g Maronen
3 saure Äpfel
100 g Rosinen
1/4 l Rotwein

 

Beilagen:
Apfelrotkohl & Kartoffelklöse

 

 

Zubereitung:

 

Die Gans waschen, abtrocknen und mit einem Gemisch aus Salz, Pfeffer und Majoran innen und außen einreiben. Die Kastanien einritzen, im Backofen rösten, schälen. Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in feine Scheiben schneiden. Kastanien und Apfelscheiben mit den Rosinen mischen, damit die Gans füllen und anschließend zunähen. Mit der Brust nach unten in einen Bräter legen und bei 200° C gut eine Stunde im vorgeheizten Backofen garen. Dann die Gans wenden und weitere 30 Minuten braten. Während des gesamten Bratvorgangs regelmäßig mit dem Bratfett übergießen. Inzwischen die Kartoffelklöße herstellen (oder - auf einfachere Art - aus der Fertigpackung zubereiten). Die Gans warm stellen und die Sauce anrühren: Gänsefett abgießen und anderweitig verwenden, Bratenfond mit Rotwein und etwas Wasser ablöschen und zum Kochen bringen, durchsieben und in einer heißen Sauciere zusammen mit der Gans, den Kartoffelklößen und dem Rotkohl servieren.

 

Guten Appetit!

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© Prof. Dr. Torsten Kirstges