St. Martin-Geschichte - die Geschichte vom Heiligen Martin
St. Martin-Geschichte - die Geschichte vom Heiligen Martin

Die Geschichte des

St. Martin

Martin wurde um das Jahr 316 in Ungarn geboren. Sein Geburtsort wird in der Literatur mit Steinamanger oder Sabaria angegeben. Der Ort lag am Fusse des heutigen Martinsberges in der Provinz Pannonien. Sein lateinischer Name war Martinus, und er war als Bischof von Tours schon zu Lebzeiten eine Legende. Von Geburt ein Römer, stammte er aus einer Familie mit militärischer Tradition. Schon sein Name war Programm: „Martinus" leitet sich ab vom Kriegsgott Mars. Man könnte den Namen übersetzen als „zum (Kriegsgott) Mars gehörend" oder „Kämpfer, Kriegerischer".

 

Als Sohn eines heidnisch-römischen Tribuns wurde er in Pavia, der Heimatstadt des Vaters, christlich erzogen und im Alter von 10 Jahren in die Gruppe der Katechumenen – der Taufbewerber – aufgenommen. Zur Zeit des heiligen Martin galt ein kaiserliches Edikt, wonach die Söhne von Berufssoldaten zum Kriegsdienst gezogen wurden. Dadurch wurde auch Martin, gegen seinen Willen, mit 15 Jahren zum Militärdienst eingezogen. Er trat in den Soldatendienst bei einer römischen Reiterabteilung in Gallien ein, schied aber mit 18 Jahren aus, weil Christsein und Militärdienst sich nicht vereinbaren ließen.

 

Noch war Martin nicht getauft; aber in allem verhielt er sich nicht, wie sich sonst Soldaten verhielten: Er war gütig zu seinen Kameraden, wunderbar war seine Nächstenliebe. Seine Geduld und Bescheidenheit überstiegen die der anderen bei weitem. Seine Kameraden verehrten ihn und hielten ihn schon damals mehr für einen Mönch als einen Soldaten. Denn, obwohl noch nicht getauft, zeigte er ein Verhalten wie ein Christ: Er stand den Kranken bei, unterstützte die Armen, nährte Hungernde, kleidete Nackte. Von seinem Sold behielt er nur das für sich, was er für das tägliche Leben benötigte.

 

So geschah auch nach der Legende, was Martin weltberühmt machte: Die Begegnung des ritterlichen Reiters mit dem frierenden Bettler am Stadttor von Amiens, dem er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels schenkte

 

In der folgenden Nacht, als Martin in tiefem Schlafe lag, sah er Christus mit seinem halben Soldatenmantel bekleidet, den er dem Armen gegeben hatte. Ihm wurde befohlen, er solle sehr aufmerksam den Herrn und das Kleidungsstück, das er verschenkt habe, ansehen. Dann hörte Martin Jesus mit lauter Stimme zu der umstehenden Engelschar sprechen: „Martin, der noch Katechumene (= Taufbewerber) ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet". Jesus Christus dachte dabei tatsächlich an seine eigenen Worte, die er einst gesprochen hatte: „Was immer ihr einem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40). So bekannte Jesus Christus, dass er in dem Armen von Martin bekleidet worden ist. Um den Wert eines so guten Werkes zu bestätigen, zeigte er sich in eben diesem Mantel. Dieses Traumgesicht verführte Martin aber keineswegs zu menschlicher Ruhmsucht. Er erkannte in seiner Tat vielmehr die Güte Gottes. Und als er 18 Jahre alt war, ließ er sich von Hilarius, dem späteren Bischof von Poitiers, taufen.

 

Nach seiner Entlassung aus dem römischen Heer kehrte Martin nach Pannonien – der damaligen römischen Provinz im heutigen Ungarn – zurück; er wollte dort missionieren und taufte zuerst seine Mutter. In den Streitigkeiten um den Arianismus wurde Martin wieder ausgewiesen und zog sich nach mancherlei Wundern und Abenteuern über Mailand, wo ihm Ambrosius begegnet sein mag, auf die kleine Insel Gallinaria vor Albenga im Golf von Genua zurück.

 

Er führte ein Einsiedlerleben, bis ihn Bischof Hilarius im Jahr 360 nach Poitiers zurückrief. Martin errichtete in Ligugé in der Nähe von Poitiers im Jahr 361 eine Einsiedlerzelle, aus der das erste Kloster Galliens wuchs.

Martin wurde im Jahr 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours, trotz Vorbehalten seitens des Klerus und gegen seinen Willen.

 

Tours liegt in Mittelfrankreich zwischen der Loire und dem in die Loire einmündenden Fluß Cher. Es ist der Hauptort der Touraine. Heute ist Tours mit seinen ca. 100.000 Einwohnern Hauptstadt des Departements Indre-et-Loire und immer noch Sitz eines Erzbischofs.
Erinnerungsstätten: Wallfahrtskirche Saint-Martin in Tours, gotische Kathedrale aus dem 12. bis 16. Jahrhundert. Der ehemalige Erzbischofspalast stammt aus dem 17. Jahrhundert.

 

Martin war der dritte Bischof von Tours. Beim Volk war Martin beliebt als ein gerechter, treusorgender Bischof. Seine Missionsreisen führten ihn durch das ganze Bistum, überall kümmerte er sich um Missstände. Auch in seinem hohen Amt verzichtete er auf alle Privilegien und zog sich in armseligen Holzhütten vor der Stadt zurück; aus dieser Einsiedelei entwickelte sich das Kloster Marmoutier, das zu einem bedeutenden religiösen Zentrum wurde. Alle Legenden betonen Martins schlichte Lebensart und demütige Haltung: Er putzte selbst seine Schuhe und saß nicht auf der bischöflichen Kathedra, sondern auf einem Bauernschemel. Bei einem Mahl mit dem Kaiser ließ dieser Martin den Pokal zuerst reichen, er aber gab ihn nicht dem Kaiser zurück, sondern an seinen Priester weiter. Seine Askese brachte ihm aber immer wieder die Gegnerschaft des Klerus ein.

 

Am 8.11.397 starb der über-80jährige Martin.

 

Martin verkörperte modellhaft für Jahrhunderte das neue spätantike Priester- und Bischofsideal: Ein asketischer Mönch, gebildet und tatkräftig zugleich, für den Kult und Kultur der gleichen Quelle entsprangen, der lebte, was er predigte, der sich vor Christus beugte, um ihn herrschen zu lassen. „Mein Herr, es ist ein harter Kampf, den wir in Deinem Dienste in diesem Dasein führen. Nun aber habe ich genug gestritten. Wenn Du aber gebietest, weiterhin für Deine Sache im Felde zu stehen, so soll die nachlassende Kraft des Alters kein Hindernis sein. Ich werde die Mission, die Du mir anvertraust, getreu erfüllen. Solange Du befiehlst, werde ich streiten. Und so willkommen dem Veteranen nach erfüllter Dienstzeit die Entlassung ist, so bleibt mein Geist doch Sieger über die Jahre, unnachgiebig gegenüber dem Alter." Die überlieferten letzten Worte des heiligen Martin klingen wie ein Rapport. Sie lassen die innere Einstellung eines ehemaligen Soldaten erkennen: Disziplin und Pflichterfüllung kennzeichnen diesen Mann, der sich nicht blind einem Gott unterworfen, sondern sich Gottes Sache zu eigen gemacht hat. Schwärmerisches, unkontrolliertes Gefühl müssen diesem Mann fremd gewesen sein.

 

Martin war der erste Nichtmärtyrer, der als Heiliger verehrt wurde.

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© Prof. Dr. Torsten Kirstges